Mittwoch, 20. April 2016

Stammtisch-Ausflug zur Zuckerhütte 2016

Am vergangenen Sonntag, den 17. April fand unser Stammtisch-Ausflug zur Zuckerhütte statt. Das Wetter verwöhnte unsere Gruppe mit 17 Grad Celsius und verbreitete bei allen besonders gute Laune.

Wir speisten wieder wie schon im Vorjahr, in der "Érabilière du roi" in Sankt Augustin die traditionellen Gerichte, die von den Ahornbauern Québecs aus früheren Zeiten übernommen wurden: Zur Vorspeise Bohnensuppe, dann Eieromelett, Schinken in Ahornsirup gekocht, die quebecker Fleischtorte "Tourtière", weisse Bohnen in Ahornsirup gekocht, quebecker Salz-Kartoffeln in Fleischbrühe, Rote Beete Salat, Krautsalat und den berühmten "Ketchup". Das sind sauer eingelegte Tomaten mit Zwiebeln - alles einfach herrlich und gut! Nicht zu vergessen die unwiderstehlichen, knusprigen Schweineschwarten, die hier etwas gotteslästerlich "Oreilles de crisse" genannt werden!

Zum Nachtisch gab es dann Kaffe und Pfannkuchen natürlich mit.... Ahornsirup zum drübergiessen je nach Lust und Laune. Das alles zum Vorzugspreis, Fahrt mit der Pferdekutsche und Ahorn-Lollie zum Selberdrehen mit eingeschlossen. Es waren dieses Jahr mit von der Partie: Melanie, Rick, Stephanie, Jean-Pierre, Sylvie, Marc, Marie und Luc Boucher!

(Fotos: Melanie Beimann, die letzen drei sind von Rick Barham)

























Sonntag, 17. April 2016

"Meine Stammtisch-Erfahrungen" - ein Resümee von Anne Jordan, Berlin

Als ich für mich entschieden hatte, dass ich nach meinem Studium noch einmal ins Ausland gehen werde, bevor der „Ernst des Lebens“ beginnt, war mir schnell klar, dass es die schöne kanadische Provinz Québec werden sollte. Die französische Sprache gehört mit zu einer meiner größten Interessen, daher hatte ich mir vorgenommen mich voll und ganz auf das Französische einzulassen.

Dieser Vorsatz ist dann vor Ort relativ schwer in die Tat umzusetzen, wenn man an einem kanadischen Cégep die deutsche Sprache unterrichtet und nicht die einzige deutsche Fremdsprachenassistentin ist. Da mir klar war, dass ich durch meine Arbeit sehr viel in meiner Muttersprache kommunizieren werde, hatte ich mir vorgenommen, mich in allen anderen Bereichen soweit wie möglich dem Deutschen fern zu halten. Meine erste Konsequenz daraus war, dass ich mir eine französischsprachige Wohngemeinschaft gesucht hatte und mich gegen eine WG mit den anderen deutschen Assistentinnen entschieden hatte. Das bot sowohl den Vorteil, dass ich zu Hause nur québecois gehört und gesprochen habe und dass ich darüber hinaus die ersten sozialen Kontakte knüpfen konnte. Meine beiden Mitbewohner gehörten zu den geselligsten Menschen, die ich kenne und fast jeden Tag waren irgend welche Freunde bei uns zu Hause.

Schnell hatte ich jedoch gemerkt, dass ich auch aus eigenem Antrieb Anschluss in meiner neuen „Heimat“ finden wollte, weswegen ich verschiedene Gelegenheiten ausprobierte, um Leute kennenzulernen. Vom deutschen Stammtisch in Québec hatte ich schon im Vorfeld gehört, doch eigentlich hatte ich mir ja fest vorgenommen, den Kontakt zu Deutschen und zur deutschen Sprache möglichst auf kleiner Flamme zu halten. Daher war dies zunächst keine Option für mich. Schnell merkte ich jedoch bei meinen ersten Kennenlern-Versuchen, dass es gar nicht so einfach ist, neue Menschen ernsthaft kennenzulernen, mit denen sich aus einem ersten Small-Talk mehr entwickelt. Daher hatte ich mich entschlossen, zu den wöchentlichen Couchsurfing-Treffen zu gehen und auch den deutschen Stammtisch in Québec einmal auszuprobieren. Ein wenig neugierig war ich dann doch auf die Menschen, die sich dort regelmäßig treffen und die jeweils durch eine bestimmte Sache verbunden sind: die deutsche Sprache.

Das erste Mal zu einer neuen Aktivität an einen unbekannten Ort zu gehen, kostet für die Meisten ja etwas Überwindung. Wie viele werden dort sein? Wie alt? Sind sie nett? Das mag naiv klingen, aber ein gewisses ungutes Gefühl hatte sich bei mir doch ausgebreitet. Vielleicht lag das auch daran, dass ich das eigentlich gar nicht wollte – Deutsche in Québec kennenlernen. Doch mein erster Stammtisch-Abend verlief erfreulicherweise sehr angenehm. Ich wurde sofort herzlich in den Kreis aufgenommen und ich war auch nicht die einzige „Neue“ dort. Es waren relativ viele da, so dass es schwierig war, sich mit allen eingehender zu unterhalten. Als der Abend sich zu Ende neigte, wurde ich von Marc ermuntert, das nächste Mal wiederzukommen. Das tat ich auch – zwar nicht sofort, sondern erst drei Wochen später. Ich war wieder etwas unsicher, aber dieses Gefühl verflog diesmal noch schneller als beim ersten Mal. Diesmal waren ein paar Gesichter da, die ich schon kannte aber auch neue Leute.

Von Woche zu Woche freute ich mich nun immer mehr auf die Mittwochabende. Die Gespräche mit den Menschen, die man näher kennenlernte, wurden intensiver und persönlicher. Mittlerweile war es mir egal geworden, dass ich doch deutsch sprach. Ich hatte einfach Menschen kennengelernt, die ich mochte und mit denen ich Zeit verbringen wollte, einfach nur Menschen, die mir sympathisch waren. Zudem hatte ich ja auch noch meinen québecer Freundeskreis, in dem ich viel französisch sprach.
Während meines Aufenthaltes in Québec habe ich so viele tolle Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen - einige davon auch beim deutschen Stammtisch. Ich bin so froh, dass ich mich gegen meinen anfänglichen Plan, bloß nichts mit Deutschen zu tun haben zu wollen, gestellt und es ausprobiert hatte. Denn eine zwischenmenschliche Beziehung definiert sich natürlich nicht nur über die Sprache oder Herkunft allein.

Der deutsche Stammtisch in Québec war also meine erste Stammtisch-Erfahrung. Erfreulicher Weise gibt es in meiner Stadt auch einen québecer Stammtisch. Leider findet dieser nur einmal im Monat statt, aber ich freue mich schon darauf dort hinzugehen und Menschen kennenzulernen, mit denen mich schon jetzt etwas verbindet - ohne, dass ich sie kenne! [https://quebecberlin.wordpress.com]

Anne Jordan, Berlin
Sprachassistentin in Québec 2015